5. Dezember 2019

Wie klimafreundlich ist Wildbret?

CO2 Steuer, klimaneutrale Lebensmittel: diese und ähnliche Begriffe sind aus den aktuellen Medien nicht wegzudenken. Viele Menschen fragen sich in diesen Tagen unter anderem:

  • Welchen Beitrag kann ich leisten?
  • Wer sind die größten Umweltsünder?
  • Wie schädlich ist die weltweite Fleischproduktion wirklich?
  • Wie klimaneutral ist eigentlich das Fleisch unserer Wildtiere, das sogenannte Wildbret?

jagdfakten.at hat sich dieser Fragen angenommen. Eine kurze Antwort auf die 4. Frage gleich vorweg: Wildfleisch ist ein Beitrag zur Klimareduktion, ersetzen kann es den weltweiten Fleischbedarf aber nicht – vor allem nicht klimaneutral. Warum das so ist lesen Sie in diesem Beitrag.

 

Ein paar Fakten vorab:

Kohlenstoffdioxid (CO2) ist nachweislich ein entscheidender Faktor des Klimawandels. Das Wissen darüber allein reicht jedoch nicht, daher ist ein Abklingen der weltweiten CO2-Emissionen noch in weiter Ferne. Denn die EU hat ihre Emissionen zwar seit 1990 (internationales Referenzjahr) von ca. 4.500 auf 3.500 Millionen Tonnen (Mt) gesenkt.

Bei vielen anderen Ländern geht der Trend aber leider genau in die andere Richtung. So hat China zum Beispiel im selben Zeitraum einen Anstieg der Emissionen von 2.420 auf 9.839 Mt verzeichnet, was einer Zunahme von rund 300% entspricht. Damit liegt China bei dieser Rechnung weltweit an der Spitze, gefolgt von den USA und Indien. Wie sich das Ranking der Länder mit den höchsten CO2-Emissionen seit 1960 entwickelt hat sehen Sie hier.

China, USA, Indien: Allein diese drei Länder sind für rund die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Europa für rund ein Zehntel. Die fast 10.000 Mt CO2 aus China machen mit 27% mehr als ein Viertel der globalen menschen-gemachten CO2-Emissionen aus. Umgelegt auf den Pro-Kopf-Verbrauch sehen die Zahlen aber ganz anders aus. In diesem Ranking liegt China nur um Platz 50. Das zeigt wie schwierig es ist sinnvolle Messgrößen für Vergleiche heranzuziehen.

 

CO2 und weitere Treibhausgase:

Eine Reduktion der Thematik „nur“ auf Kohlenstoffdioxid (CO2) ist eindeutig zu kurz gegriffen. Schließlich gibt es weitere Treibhausgase, die für die Klimabeeinflussung verantwortlich zeichnen und die eine lange Zeit in der Atmosphäre verweilen:

 

Treibhausgas Klimaeffekt im Vergleich zu CO2 Verweildauer in der Atmosphäre Herkunft

Entstehung

Kohlendioxid (CO2) 1x 120 Jahre größtenteils aus fossilen Brennstoffen zur Energiegewinnung
Methan (CH4) 21× 9–15 Jahre Viehhaltung, Land- und Forstwirtschaft, Pflanzen und Verbrennung
Lachgas (N2O) 310× 114 Jahre Düngemittel, Kunststoffindustrie
fluorierte Gase (HFKW, FKW, SF6) 1.000 – 17.000× 1,5–20.000 Jahre Kühl- und Löschmittel, Schallschutzscheiben

Wetterextreme nehmen durch den Klimawandel zu.

 

Die zwei wichtigsten Stellschrauben:

Vereinfacht gesagt gibt es zwei wesentliche Stellschrauben, um eine weitere Verschlechterung der Klimasituation herbeiführen zu können:

  • Es muss einen globalen Konsens geben. Solange die größten CO2-Emittenten ausscheren, wird das Bemühen der anderen deutlich gelähmt. Sinnlos ist deren Bemühen dennoch nicht.
  • Eine Reduktion nur von CO2-Emissionen ist zu wenig. Wir müssen den Ausstoß aller Treibhausgase in Betracht ziehen. Und dafür gibt es verschiedene Ursachen und daher auch verschiedene Gegenmaßnahmen, die einzuleiten sind.

 

CO2-Verbrauch einer Person:

Die Umweltorganisation WWF (WORLD WIDE FUND FOR NATURE) hat den durchschnittlichen CO2-Verbrauch eines einzelnen Menschen in Deutschland berechnet. Da hier der Faktor 1:10 im Vergleich zwischen Deutschland und Österreich leider nicht herangezogen werden kann, ist von nahezu identischen Zahlen beim Pro-Kopf-Verbrauch auch bei uns auszugehen. Die Berechnung des WWF geht im Schnitt von einer CO2-Produktion von etwa 10,6 Tonnen CO2 pro Jahr pro Person aus. Die vier größten Positionen davon sehen wie folgt aus:

Konsum ca. 3 Tonnen CO2 Hotelübernachtungen mit Schwimmbädern, Saunen, Fitnesscenter und Kaufverhalten
Zu Hause ca. 2,5 Tonnen CO2 Art der Heizung, Isolierung des Hauses
Unterwegs ca. 2,5 Tonnen CO2 Flüge, Auto fahren und andere Fortbewegungsmittel
Ernährung ca. 1,5 Tonnen CO2 Produktion und Transport von Lebensmitteln, Art der Ernährung der verzehrten Tiere

Quelle: www.fokus.de

Die Lösungsansätze für die ersten drei Punkte sind vielen bereits klar. Der von uns Menschen gemachte CO2-Ausstoß lässt sich zum Beispiel durch Ökostrom, der zumindest gelegentlichen Nutzung des Fahrrads anstatt des Autos und durch effiziente Heizungssysteme und Hausisolierungen mehr oder weniger deutlich reduziert werden. Aber…

 

Die „richtige“ Ernährung kann helfen Co2 einzusparen.

 

Wie können wir beim Essen CO2 sparen?

An dieser Stelle ist zunächst interessant auf die Herkunft der Lebensmittel zu schauen. Denn alles, was uns im Supermarkt angepriesen wird, hatte einen mehr oder weniger weiten Anfahrtsweg. Klar ist wohl, dass das Steak aus Argentinien eine weitaus schlechtere CO²-Bilanz aufweist als Rindfleisch aus Österreich. Es ist also wichtig zu wissen, wie weit die Strecke ist, die die Lebensmittel zu uns nach Österreich zurücklegen müssen.

 

Was sagen die Statistiken dazu?

Aus Statistiken kann viel herausgelesen werden und nicht alles muss zielführend sein. Stichwort – selektive Wahrnehmung – oder prägnanter: man sieht nur, was man sehen will. Wir versuchen an dieser Stelle die Außenhandelsstatistik Österreichs zu betrachten und sehen uns gezielt die Lebensmittelimporte an.

Vorweg muss gesagt werden, dass aus dieser Statistik leider nicht ersichtlich ist, wie weit der Weg der einzelnen Importe im Detail war oder wie der Transport gestaltet war. Wir bekommen aus dieser Statistik also keinen Aufschluss auf den Kraftstoffverbrauch. Auch nicht ersichtlich sind Verpackungsdetails oder Details der Produktion (Wasserverbrauch, Arbeitsverhältnisse, etc.). Wir sehen uns „nur“ den Warenwert an.

Für das erste Halbjahr 2019 weist die Statistik Austria Warenimporte im Wert von 79,7 Mrd. Euro aus. 4,9 Mrd. entfallen auf den Import von Lebensmitteln – das sind 6 Prozent vom Gesamtimport. Die 4,9 Mrd. für Lebensmittel gliedern sich in lebende Tiere, Fleisch, zubereitetes Fleisch, Milch, Eier, Fische und Krebstiere, Getreide, Gemüse und Früchte, Zucker, Honig, Kaffee, Tee, Gewürze, Tierfutter und weitere nicht näher genannte Waren.

  • Auf Fleisch und lebende Tiere entfallen addiert 0,708 Mrd.
  • Auf Getreide und Getreideerzeugnisse entfallen 0,726 Mrd.
  • Auf Gemüse und Früchte entfallen 1,269 Mrd.

Ersichtlich wird, dass wir weit mehr pflanzliche Lebensmittel als Fleisch, Fleischprodukte oder lebende Tiere importieren. Aber schauen wir noch genauer hin und sehe uns den Fleischkonsum an.

Oft wird der hohe Fleischkonsum als negativ dargestellt – und es ist auch richtig, dass wohl in zu vielen Ländern ein sehr hoher Fleischverbrauch stattfindet. Fünf Staaten lassen es beim Prokopfverbrauch so richtig krachen, wie das Schweizer Magazin Watson bei der FAO (Food and Agriculture Organization oft he United Nations) recherchiert hat:

  • Hongkong:    153 kg
  • Macau:          119 kg
  • Australien:    116 kg
  • USA:              115 kg
  • Argentinien: 107 kg

In Österreich soll nach dieser Datenlage knapp 90 kg Fleisch pro Kopf verbraucht werden. An dieser Stelle muss man nun zwischen Verbrauch und Konsum unterscheiden. Im Verbrauch eingerechnet sind auch Teile des Tieres, die nicht verzehrt werden (Haut, Hörner, Haare). Der Prokopf-Konsum in Österreich liegt im Durchschnitt bei 65 kg pro Jahr. Also 65 Kilogramm Fleisch isst Herr und Frau Österreicher durchschnittlich pro Jahr.

Davon rund:

  • 39,1 Kilogramm Schweinefleisch,
  • 11,6 Kilogramm Rind- und Kalbfleisch,
  • 1,1 Kilogramm Schaf- und Ziegenfleisch und nur
  • 0,7 Kilogramm Wildbret

Der Fleischverbrauch einiger Länder ist also sehr hoch und dies ist dem Klima nicht zuträglich. Auch in Österreich wird über die Frage diskutiert, ob 65 kg pro Kopf ein zu hoher Konsum ist, aber in der Handelsbilanz halten andere Produkte den Löwenanteil und haben mutmaßlich auch ein höheres Einsparungspotential.

Hinsichtlich des Konsums kann aber noch eine weitere Aussage getätigt werden: Wildbret aus heimischen Revieren vom Jäger im Ort hat weder einen langen Anfahrtsweg, noch kannte das Tier jemals Haltungsbedingungen oder Transportstress. Wildbret ist eine echte und natürliche Alternative für Klima- und Umweltbewusste Genießer.

Klima- und Umweltbewusste Genießer treffen mit Fleisch von heimischen Wildtieren eine gute Wahl

Wildbret wird immer beliebter:

Auch bei uns. Eine ganzjährige Nachfrage – auch außerhalb der klassischen Wildbret-Zeit im Herbst – kann durch die heimische Jagd jedoch nicht abgedeckt werden. Daher entstehen – zum Beispiel in Neuseeland – Wildtierfarmen für die Erzeugung von Wildfleisch, wodurch auch hier wieder lange Transportwege notwendig werden. Im Sinne des Klimas ist es daher dringend empfohlen auch beim Wildfleisch auf dessen Herkunft zu achten.

Fazit – wie klimafreundlich ist Wildbret:

  • Klimaneutrales Wildfleisch kann nur vom heimischen Wild, nicht aber von Wildtierfarmen stammen
  • Wildfleisch ist das gesündere Fleisch
  • Wer auf Fleisch nicht verzichten will, leistet mit dem Einkauf und Verzehr von Wildfleisch einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz

 

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