Rehkitz im Frühling: Jagdfakten.at informiert

Kleines Wunder im Revier: Rehkitz im Frühling

Wenn im Frühling die Rehkitze zur Welt kommen, beginnt eine der faszinierendsten Entwicklungsphasen im heimischen Wildleben.
Wir zeigen, warum.

REHKITZ im FRÜHLING

Ist es eine evolutionäre Überlebensstrategie? Oder doch mehr – nämlich ein Wunder der Natur?

Geht es um die ersten Wochen im Leben eines Rehkitzes, kann man nicht anders, als von einem Wunder zu sprechen. Und wer doch auf die These einer Überlebensstrategie besteht, muss gestehen: Es ist eine Strategie mit sehr, sehr vielen Schutzengeln.

Kommen wir zur Sache: Die meisten Kitze kommen zwischen Mitte Mai und Anfang Juni zur Welt. Hier setzt schon das erste Faszinosum ein, denn: Kitze sind nahezu geruchlos! Sie bewegen sich außerdem kaum und verbringen den Großteil des Tages regungslos im hohen Gras oder in der Deckung von Kräutern und Sträuchern. Als wüssten sie, dass das der einzige Weg ist, um zu überleben. Nur so sind diese fragilen Lebewesen geschützt vor Prädatoren wie dem Fuchs, Wildschweinen oder dem Steinadler. Was hat es damit wirklich auf sich?

Rehkitz Rettung Mähtod, Jagdfakten.at
Rehkitz in Deckung © TJV
Rehgeiß mit Rehkitz im Frühling: Jagdfakten.at informiert
Rehkitz mit Rehgeiß im Gras © Pixabay
Kitz mit Rehgeiß: Jagdfakten.at informiert
Rehkitz und Rehgeiß © Freepik

Was macht ein Rehkitz so besonders:

  • Rehkitze gehören zu den sogenannten „Abliegern“. Anders als viele andere Jungtiere folgen sie ihrer Mutter – in der Fachsprache Rehgeiß genannt – zunächst nicht dauerhaft. Die Geiß setzt ihr Kitz an einem sicheren Ort ab und kehrt nur zum Säugen zurück, und das in der Regel nur wenige Male am Tag. Dadurch bleibt die sogenannte Witterung, also der wahrnehmbare Geruch des Wildtieres, am Lagerplatz minimal.

  • Die typische Fleckung des Kitzfells wirkt dabei wie eine Tarnung im Wechselspiel aus Licht und Schatten.

Erste Schritte und Bissen

 

In den ersten Lebenswochen wachsen Rehkitze erstaunlich schnell. Bereits nach wenigen Tagen beginnen sie, ihre Umgebung auf wackligen Läufen zu erkunden – man denke an die ersten Szenen aus Bambi –, auch wenn sie weiterhin viel Zeit im Lager verbringen. Die Milch der Rehgeiß liefert zunächst den größten Teil der Energie, doch schon früh beginnen die Kitze, erste pflanzliche Nahrung aufzunehmen. Besonders wichtig ist dabei Eiweißreiches und leicht Verdauliches: junge Kräuter, frische Gräser und zarte Triebe. Diese hochwertige Frühjahrsäsung liefert die Nährstoffe, die für Wachstum und Entwicklung entscheidend sind.

Rehkitze und Revierarbeit

Für das Reviermanagement hat diese Phase mehrere Konsequenzen. Einerseits ist jetzt besondere Vorsicht bei der Bewirtschaftung von Wiesen geboten. Frühmahd, also der erste Schnitt von Grünland im Frühjahr, kann für abgelegte Kitze zur Gefahr werden, da sie bei Annäherung von Maschinen instinktiv regungslos verharren statt zu fliehen. In vielen Revieren arbeiten Jäger deshalb eng mit Landwirten zusammen, um vor dem Mähen Wiesen abzusuchen. Dort, wo besonders viele Rehkitze abgelegt sind, setzen Revierverantwortliche gerne auch technische Hilfsmittel wie Drohnen mit Wärmebildkameras ein. Rehkitze sind übrigens nicht der einzige Grund, warum im Frühling klar wird, wie wichtig strukturreiche Lebensräume sind.

Junge Rehkitze und die Jagd

Hecken, Altgrasstreifen, Feldraine oder ungemähte Rückzugsbereiche sind elementarer denn je für die Biodiversität. Sie erhöhen die Überlebenschancen von Tieren wie den Rehkitzen deutlich, schaffen außerdem Lebensräume für andere Tiere – auch Vögel! – und sorgen in Zeiten der Erderwärmung für Schatten und sogenannte >> Windschutzstreifen.

Nach etwa drei bis vier Wochen wird ein Rehkitz im Frühling zunehmend mobiler und beginnt, der Geiß häufiger zu folgen. Aus den anfänglich versteckten Abliegern werden nach und nach aktive Begleiter im Revier. Für den Jäger ist die Kitzzeit daher auch eine Zeit der Beobachtung: Wer jetzt aufmerksam durchs Revier geht, erkennt schnell, wie stark Lebensraumqualität, Äsungsangebot und Ruhe im Einstand zusammenwirken.

Für die Rehkitze entscheiden die ersten Frühlingswochen also über den gelungenen Start ins Leben. Fest steht: Ein gutes Reviermanagement und, ja, der eine oder andere Schutzengel tragen wesentlich dazu bei, dass möglichst viele Kitze diese erste, sensible Phase erfolgreich überstehen.

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Autor für diesen Beitrag: L. Palm / Jagdfakten.at

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