Urlaub daheim ist heuer ein hochaktuelles Thema. Erholung ist wichtig für den Menschen – und warum in die Ferne schweifen, wenn es auch in der Nähe so viel zu entdecken und bestaunen gibt. Österreich ist aufgrund der schönen Landschaften und zahlreichen Angebote auch im Sommer ein attraktives Urlaubsland. Die steigenden Besucherzahlen führen mancherorts aber zusehends zur Belastung naturnaher Lebensräume.

Was gibt es also zu beachten, wenn man Urlaub in der Natur macht? Und wie gestaltet man diesen in Zeiten der Klimakrise möglichst naturschonend?

Wir haben die wichtigsten Punkte, die es für Wildtiere und Umwelt zu beachten gibt, für Sie gesammelt.

Raus aus dem Alltag

Ruhe und Entspannung – danach sehnen sich die meisten Erholungssuchenden in den grünen Wäldern oder am Berg. Doch dazu muss jeder einzelne von uns beitragen und sich an bestimmte Grundsätze halten. Für Wildtiere ist es besonders wichtig, dass ausreichend Rückzugsorte erhalten bleiben. Denn regelmäßige Störungen verursachen Stress bei den Tieren, der sich negativ auf die körperliche Verfassung, die Fortpflanzung und das Verhaltensmuster auswirken kann.

Besonders in der Dämmerung und in der Nacht sind viele Wildtiere aktiv, weswegen nächtliche Ausflüge besonders intensive Störungen verursachen. Querfeldein Wandern oder Campen ist zudem eine unberechenbare Aktivität des Menschen für Wildtiere, während sie es bei Hütten gewöhnt sind.

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Allgemeine Verhaltensregeln

  • Bleiben Sie aus Rücksicht auf Tiere und Pflanzen auf den Wegen
  • Keinen Abfall hinterlassen und Müll mitnehmen
  • Unnötigen Lärm vermeiden
  • Leinenpflichten beachten, besonders in der Jungtierzeit!
  • Lassen Sie Blumen, Insekten und andere Tiere dort, wo sie sind
  • Halten Sie Abstand zu Wildtieren genauso wie zu Weidetieren – die Natur ist kein Streichelzoo!
  • Campieren und Feuer machen in freier Natur ist nicht immer erlaubt – dafür gibt es ausgewiesene Campingplätze und Feuerstellen! Erkundigen Sie sich vorab, wo und was erlaubt ist.
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Alpines Gelände

  • Gutes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung mitbringen
  • Routen im Voraus nach Können und Erfahrung planen
  • Zeitpuffer einplanen
  • Erste-Hilfe-Set mitführen
  • Achten Sie auf das Wetter und auf alpine Gefahren wie Lawinen oder Steinschlag.
  • Informieren Sie sich bei bergerfahrenen Personen vor Ort / Tourismusinfo über Risiken und notwendige Ausrüstung
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Auswirkungen

Unter einer Störung versteht man negative Auswirkungen auf Wildtiere, infolge eines Ereignisses, das von Menschen ausgelöst wird. Verschiedene Aktivitäten rufen bei Wildtieren unterschiedliche Reaktionen hervor und müssen nicht sofort eine Störung verursachen. Solange man in einem „menschlichen“ Tempo, in Ruhe und auf regelmäßig frequentierten Wegen unterwegs ist, gewöhnen sich viele Wildtiere an die Anwesenheit des Menschen. Nimmt ein Wildtier aber eine neue oder unberechenbare Situation wahr, wie etwa einen Hund oder Menschen abseits des Weges, reagiert es sofort mit höherer Achtsamkeit und stärkeren Fluchtreflex, denn in der Natur geht es nach wie vor um Leben oder Tod für ein einzelnes Tier.

Übliche Reaktionen von Wildtieren auf Störungen zeigen sich beispielsweise im Unterbruch des aktuellen Verhaltens, einer Flucht, der Änderung der Herzschlagfrequenz und der Ausschüttung von Stresshormonen. Infolge werden Rückzugsorte aufgesucht, die nicht unbedingt die gerade benötigte Nahrung bieten. Zudem könnten Tiere vom Brut- oder Fortpflanzungsverhalten abgehalten werden, ihre Aktivitätsrhythmik ändern müssen und seltener für sie geeignete Orte aufsuchen. Dauerhafte Folgen davon können zu einem Lebensraumverlust, einer schlechteren Energiebilanz, der Reduktion des Fortpflanzungserfolgs, der Verschlechterung des Gesundheitszustandes und sogar zur Verminderung der Überlebensraten führen.

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Freizeitaktivitäten
naturfreundlich gestalten

Wandern

Beim Wandern lauten die einfachen Grundregeln daher, auf dem Weg bleiben und mitgeführte Hunde stets im Auge und unter Kontrolle zu halten. Hinweisschilder auf Almvieh, Ruhegebiete, Schutzgebiete u.ä. weisen auf besondere Situationen und damit einhergehende Empfehlungen oder Bestimmungen hin und sollten unbedingt berücksichtigt werden.

Mountainbiken

Auch hier gilt, dass mit einem Gewöhnungseffekt zu rechnen ist, solang man auf den beschilderten Wegen fährt. Gravierend wirken sich jedoch Fahrten im Gelände abseits von Wegen aus.

Im Wald und am Berg gilt es zu beachten, auf welchen Wegen Radfahren erlaubt ist. Grundsätzlich herrscht in Österreich ein Fahrverbot im Wald, einschließlich der Forststraßen und anderen Waldwegen. Erlaubt ist es nur dann, wenn die Zustimmung des Waldeigentümers oder Forststraßenerhalters vorliegt, die durch eine entsprechende Beschilderung erkennbar ist. Um ein legales und sicheres Radfahren zu ermöglichen, arbeitet man daran, das Wegenetz unter sicheren Voraussetzungen gemeinsam mit Grundeigentümern zu erarbeiten, wie beispielsweise in Tirol mit dem Mountainbikemodell 2.0.

Alle Bike-Touren werden samt Beschreibung und Schwierigkeitsgrad kartiert.

Das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus hat in Zusammenarbeit mit den Land- und Forstwirtschafts-Betrieben Österreichs und der ÖBf AG folgende „Fair-Play“-Regeln erstellt, die praktische Tipps für das Radfahren im Wald geben:

  • Nur auf gekennzeichneten Wegen fahren!
  • Keine Spuren hinterlassen!
  • Das Mountainbike fit halten!
  • Das Mountainbike unter Kontrolle halten!
  • Andere Naturnutzerinnen/Naturnutzer sind zu respektieren!
  • Auf Tiere Rücksicht nehmen!
  • Verantwortungsvoll handeln!
  • Der Umwelt und sich selbst etwas Gutes tun!

Die gesetzlichen Grundlagen sind auf der Seite oesterreich.gv.at zu finden.

Zu beachten ist weiters, dass Forststraßen für die Bewirtschaftung und Erhaltung eines gesunden Waldes erbaut wurden und auch heute noch diesen wichtigen Zweck erfüllen müssen. Forstliche Sperren müssen zur Sicherheit aller unbedingt eingehalten werden.

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Campen

Beim Campen gilt, wie überall, die oben genannten Grundregeln zu berücksichtigen. Verschmutzung der Natur, Lärmen v.a. nachts oder Missachten von Ruhe- oder Schutzgebieten sind ein absolutes No-Go! In ganz Österreich gilt für das Campen bzw. Zelten im Wald, dass dieser grundsätzlich zu Erholungszwecken betreten werden darf, eine „Benutzung“ des Waldes durch z.B. Lagern bei Dunkelheit oder Zelten jedoch ausdrücklich verboten ist. Erlaubt ist dies nur mit Zustimmung des Waldeigentümers.

Das Campieren außerhalb des Waldes ist in Österreich hingegen je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. Zumeist ist es nur auf ausgewiesenen Campingplätzen erlaubt. Regelungen z.B. zum Campen außerhalb von Campingplätzen oder zum Abstellen von Wohnmobilen und Wohnwagen finden sich in des einzelnen Landesgesetzen. Eine Aufstellung dazu ist auf der Seite des Österreichischen Bundesministeriums zu finden.

Zelten im alpinen Ödland: Übergreifend erlaubt wird das „alpine Biwakieren“, also zum Beispiel das ungeplante Notbiwak, zu dem Einzelpersonen im Falle einer Verletzung, eines Schlechtwettereinbruchs oder bei Dunkelheit gezwungen sind. Achtung: Vorsätzliches Biwakieren wird mit einer Zeltübernachtung gleichgesetzt! Bei Zuwiderhandlungen winken je nach Bundesland Geldstrafen bis zu 14.500 Euro. Planen Sie als naturfreundliche und sichere Alternative Übernachtungstouren im Gebirge so, dass Sie eine Hütte erreichen.

Autorin:

Christine Lettl, BSc

Biologin und Mitarbeiterin des Tiroler Jägerverbands, Referat Öffentlichkeitsarbeit, Medien und Veranstaltungen

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Bildquellen für diesen Beitrag:

TJV/ C. Lettl
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Hinweistafel: Hubert Weidinger

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