Wanderfalke - ein kurzer Steckbrief: Jagdfakten.at informiert

Hochspezialisierter Vogeljäger mit bis zu 320 km/h:

Der Wanderfalke gilt als das schnellste Tier in der Luft.
Doch seine Schnelligkeit ist längst nicht seine einzige Besonderheit – entdecke im Steckbrief, was diesen faszinierenden Vogel noch so einzigartig macht.

WANDERFALKE
STECKBRIEF

Name: Wanderfalke (Falco peregrinus)
Männchen: Terzel
Weibchen: Weibchen
Junge: Junge

Tierfamilie: Falkenartige

Größe: Weibchen: 50 cm,
Männchen: 38 cm

Spannweite: 80-120 cm

Gewicht: Weibchen: bis 1300 g, Männchen: 600-800 g

Paarungszeit (Balz): Februar – April

Brutzeit: März – April

Brutdauer: 29-32 Tage

Gelege: 3-4 Eier

Alter: 10-15 Jahre

Wie sieht ein Wanderfalke aus?

Der Wanderfalke ist der größte heimische Falke und zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • einen kräftigen, gedrungenen Körper
  • einen runden Kopf und große, dunkle Augen
  • lange, spitze Flügel und
  • einen mittellangen, leicht gerundeten Schwanz
  • die Schwingen laufen spitz aus und sind im Flug meist leicht angewinkelt

Ein markantes Erkennungsmerkmal ist der breite, dunkle Bartstreif im Wangenbereich, der sich deutlich von Kehle, Kropf und Wangen abhebt und an einen Schnurrbart erinnert. Weiters besitzt er eine Mittelzehe an den Fängen, die besonders lang ausgeprägt ist und mit sogenannten Haltenoppen versehen ist – ein typisches Anpassungsmerkmal für Vogeljäger, um die Beute sicher zu fassen.

Bei den adulten Männchen ist das Gefieder oberseits dunkel schiefergrau, Unterseite weiß mit schwarzer Querzeichnung; der Rücken ist schiefergrau, der Bartstreif kräftig schwarz. Auch der Geschlechtsdimorphismus ist ausgeprägt. Weibchen sind etwas größer und wirken unterseits oft grob gezeichneter. Jungvögel sind zuerst flauschig und weiß, danach mehr graubraun und unterhalb mit einem bräunlichen Anflug.

Wanderfalken sitzen mit Beute vor Steinhoehle: Jagdfakten.at informiert
Wanderfalken-Paar vor Steinhöhle © Jozef Chavko
Wanderfalke im Horst mit Jungen - Jagdfakten.at informiert
Wanderfalken-Horst mit Junge © Jozef Chavko
Wanderfalke sitzt auf Steinwand - Jagdfakten.at informiert
Wanderfalke auf Steinwand © Jozef Chavko

Was macht den Wanderfalken besonders:

  • Schnellstes Tier in der Luft: Im normalen Flug erreicht er etwa 100 km/h. Beim Sturzflug (Angriff auf Beute) kann er Geschwindigkeiten von bis zu 320 km/h erreichen. Dabei legt er die Flügel eng an den Körper an, um den Luftwiderstand zu verringern.

  • Rüttelflug: der Falke steht fast bewegungslos in der Luft, während er mit schnellen Flügelschlägen schlägt und den Schwanz spreizt. So kann er Beute am Boden genau beobachten, bevor er sich im Sturzflug darauf stürzt.

  • Beizvogel: Der Wanderfalke wird häufig als Beizvogel eingesetzt. Als Beizvogel bezeichnet man einen Greifvogel, mit dem man auf die Jagd geht (Falknerei).

Was macht Falken generell besonders:

  • Falkenzahn: ein beidseitig vorhandener dreieckiger Vorsprung an der Unterseite des Oberschnabels – hilft dem Falken, der Beute das Genick zu brechen.

  • Nestbau: Falken bauen kein eigenes Nest, sondern legen ihre Eier auf Felsvorsprünge, in Höhlen, Mauerlöchern von Gebäuden oder auch in alte Nester (Horste) anderer Vögel.

Wo lebt der Wanderfalke?

 

Lebensraum und Vorkommen:
Der Wanderfalke kommt weltweit vor, außer in der Arktis. In Mitteleuropa sind erwachsene Tiere meist Standvögel, während Jungvögel größere Strecken zurücklegen.

In Österreich gibt es sowohl Fels- als auch Baumbrüterpopulationen, wobei die Brutplätze hierzulande fast ausschließlich in hohen Felswänden oder Steinbrüchen liegen. Typische Lebensräume sind randalpine Gebiete, die Zugang zu nahrungsreichen Gebieten wie Flusstälern, Auen oder Grünland bieten.

Lebensweise und Sozialverhalten:
Wanderfalken sind tag- und dämmerungsaktiv und im Alter von etwa 9 Monaten geschlechtsreif. Sie leben monogam und bleiben oft über viele Jahre mit demselben Partner zusammen. Die Größe ihres Reviers hängt stark vom Nahrungsangebot ab und kann sehr groß sein, da sie ausgedehnte Jagdgebiete nutzen.

Die Aufzucht der Jungtiere erfolgt gemeinsam: Das Männchen übernimmt überwiegend die Jagd, während das Weibchen die Küken wärmt und schützt. Darüber hinaus zeigen Wanderfalken ein territoriales Verhalten. Sie verteidigen ihre Brutplätze energisch gegen Artgenossen und potenzielle Eindringlinge. Auch das Rütteln gehört zum typischen Jagd- und Verhaltenserlebnis und zeigt gleichzeitig Aufmerksamkeit und Präsenz im Revier.

Was fressen Wanderfalken?

Wanderfalken sind hochspezialisierte Vogeljäger. Besonders Tauben spielen eine große Rolle und machen oft einen wichtigen Teil ihrer Nahrung aus. Darüber hinaus gehören auch Stare, Drosseln, Kiebitze und verschiedene Rabenvögel zu ihrem Beutespektrum.

Gejagt wird vor allem in offenen Landschaften. Bei der Jagd verpasst der Falke der Beute zunächst einen kräftigen Tritt, der das Tier benommen oder sogar tödlich treffen kann. Anschließend wird die Beute in der Luft geschnappt oder am Boden aufgenommen. Mit seinem krummen, sehr scharfen Schnabel rupft der Wanderfalke vor dem Fressen die Federn ab. Unverdauliche Nahrungsreste wie Haare und Federn würgt er als sogenannte Gewölle wieder aus. Im Gegensatz zu Eulen enthalten sie nur wenige Knochen.

Feinde & Bedrohungen

Der Wanderfalke hat als erwachsener Vogel nur wenige natürliche Feinde.

Eine Bedrohung stellen Nestplünderer dar, die Eier oder Jungvögel aus dem Nest rauben. Außerdem kommt es häufig zu Konkurrenz um Nistplätze. Der Uhu nutzt ebenfalls Felsen als Brutplätze und kann Wanderfalken nachts angreifen und töten, um den Nistplatz für sich zu beanspruchen. Auch größere Greifvögel wie Adler oder Habichte können für Falken gefährlich werden.

Besonders problematisch sind Störungen an Brutplätzen durch Freizeitaktivitäten, zum Beispiel durch Sportkletterer. Auch Strommasten und Stromleitungen stellen ein Risiko dar. Weiters können unerfahrene Jungvögel sich beim Jagen und Beuteschlagen verletzen oder tödlich verunglücken.

Der Wanderfalke ist geschützt und darf nicht bejagt werden!

UNSERE
LESE-EMPFEHLUNG

Bildquellen für diesen Beitrag: © Jozef Chavko
Autor für diesen Beitrag: V. Toff / Jagdfakten.at

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