Seeadler steht im Wasser - Jagdfakten.at informiert

Majestätisches Adlerauge:

Der Seeadler ist Europas größte Adlerart.
Welche erstaunlichen Fähigkeiten hinter seinen „Adleraugen“ stecken und wie weit er mühelos über Land und Wasser gleitet, erfahrt ihr hier
im Steckbrief:

SEEADLER
STECKBRIEF

Name: Seeadler (Haliaeetus albicilla)
männlich: Terzel
weiblich: Weibchen
Junge: Junge
Nestling: Junges im Horst
Ästling: Junges außerhalb des Horstes, aber noch nicht flügge

Tierfamilie: Habichtartige

Größe: 77-90 cm

Flügelspannweite: bis zu 2,4 m

Gewicht: 4-6 kg

Balz: Januar – März/April

Brutzeit: Februar – April

Brutdauer: 38-42 Tage

Gelege: 1-2 Eier

Alter: über 30 Jahre

Wie sieht ein Seeadler aus?

Der Seeadler ist ein großer, gedrungener Greifvogel mit einem mächtigen, nach unten gebogenem gelbem Schnabel sowie kräftige Füße (Fänge) – beides eignet sich ideal zum Töten, Bearbeiten und Festhalten der Beute. Sein Gefieder ist überwiegend braun, der Schwanz (Stoß) auffallend weiß und kurz. Im Flug wirken die Flügel breit und brettartig.

Jungvögel sind dunkelbraun mit hellen Sprenkeln; auch Schnabel und Stoß sind bei ihnen noch dunkel. Junge Seeadler können mit Mönchsgeiern verwechselt werden, unterscheiden sich jedoch durch einen größeren Kopf sowie durch gelbe Wachshaut und Füße, während diese beim Mönchsgeier eher bläulich oder fleischfarben sind.

Männliche Seeadler sind deutlich kleiner und leichter als die Weibchen – ein Beispiel für Sexualdimorphismus. Auch ihre Rufe unterscheiden sich: Die des Männchens sind höher und schriller, die des Weibchens tiefer und rauer.

Seeadler auf Holzstumpf - Jagdfakten.at informiert
Seeadler sitzt auf Holzstumpf
Seeadler greift Beute aus Wasser - Jagdfakten.at informiert
Seeadler greift Beute im Wasser
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Junger Seeadler

Was macht den Seeadler besonders:

  • Adleraugen: Dank besonders dichter Netzhaut erkennen Adler Beutetiere aus mehreren Kilometern Entfernung. Sie sehen Farben besser als Menschen, können UV-Licht wahrnehmen und haben ein größeres Auflösungsvermögen als das menschliche Auge. Zum Schutz verfügen die Augen über Lider und eine durchsichtige Nickhaut, die bei Bedarf das Auge schützt.

  • Flugstrecken: Der Seeadler kann Hunderte Kilometer am Tag zurücklegen, ohne müde zu werden. Er nutzt warme Aufwinde, um in die Höhe zu steigen.

Wo lebt der Seeadler?

 

Lebensraum und Vorkommen:
Der Seeadler brütet im nördlichen Eurasien und in Grönland. Früher kam er auch entlang der Donau vor, wurde dort jedoch ausgerottet. Heute gibt es in Ostösterreich wieder erfolgreiche Bruten. Bevorzugt lebt er an großen Gewässern wie Flüssen, Seen oder Küsten, wo er Nahrung findet. Für seine Nester wählt er alte Bäume oder Felsspalten an der Küste, Wälder dienen als Ruhe- und Schlafplätze. Die Jagd erstreckt sich bei Bedarf auch ins offene Agrarland, vor allem im Winter. In Österreich liegen die wichtigsten Vorkommen in den Donau-Auen, den March-Thaya-Auen, im Waldviertel und im Nord-Burgenland.

Lebensweise und Sozialverhalten:
Seeadler sind monogam und führen lebenslange Partnerschaften. Mit etwa vier Jahren gründen sie eine Familie und bleiben meist in der Nähe des Gebietes, in dem sie aufgewachsen sind. Die Jungen sind Nesthocker und werden auch nach dem Ausfliegen weiterhin gefüttert, weil sie die schwierige Jagd auf lebende Beute nur langsam erlernen. Die Horste bauen die Adler selbst und werden jedes Jahr mit frischen Ästen, Zweigen und Gras ausgepolstert; sie können bis zu zwei Meter breit und rund 600 Kilogramm schwer werden – etwa so schwer wie ein ausgewachsenes Pferd.

Trotz ihrer Größe sind Seeadler geschickte Jäger: Sie töten ihre Beute durch kräftigen Druck von Krallen und Zehen – sie sind sogenannte Grifftöter. Kleinere Beutetiere packen sie mit einem Fuß und fressen sie oft direkt im Flug, größere tragen sie mit beiden Fängen oder schleppen sie über das Wasser. Ihr Revier verteidigen sie vor allem rund um das Nest. Dabei zeigen sie während der Balz beeindruckende Flugmanöver: Die Partner steigen gemeinsam hoch in die Luft, kreisen, rufen und lassen sich manchmal sogar kurz nach unten fallen oder greifen sich mit den Fängen. Solche Balzflüge können auch Rivalen abschrecken.

Was frisst ein Seeadler?

Der Seeadler ist ein anpassungsfähiger Fleischfresser und kein Nahrungsspezialist. Im Sommer frisst er vor allem Fische, Jungvögel und Säugetiere – von der Maus bis zum Rehkitz. Im Winter stehen Wasservögel und Aas auf seinem Speiseplan. Er jagt sowohl aus dem Ansitz als auch im Suchflug. Gelegentlich treiben zwei Adler gemeinsam Wasservögel auf oder erbeuten Beute von Kormoranen.

Feinde & Bedrohungen

Seeadler haben kaum natürliche Feinde. Die Population wird hauptsächlich durch Konkurrenz, Nahrungsangebot und Reviergröße reguliert. Viele Todesfälle entstehen durch innerartliche Kämpfe oder Brutausfälle, die oft durch territoriale Konflikte und Störungen am Nest verursacht werden.

Historisch wurden die Greifvögel von Menschen gejagt oder vergiftet, was zu starken Bestandsrückgängen führte. Auch heute bedrohen illegale Verfolgung, Kollisionen mit Windrädern oder Stromleitungen und menschliche Störungen die Tiere. Seeadler sind deshalb sehr scheu: Bei Gefahr fliehen sie oft sofort und verlassen mitunter ihre Eier, was den Nachwuchs gefährdet.

Die Art ist streng geschützt und darf nicht bejagt werden!

Seeadler und Reiher im Flug - Jagdfakten.at informiert
Seeadler und Reiher im Flug © Jozef Chavko
Kaiseradler und Seeadler im Flug - Jagdfakten.at informiert
Seeadler und Kaiseradler im Flug © Jozef Chavko

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Bildquellen für diesen Beitrag: © Pixabay | © Jozef Chavko | © Josef Hiebeler
Autor für diesen Beitrag: V. Toff / Jagdfakten.at

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