Nachhaltige Futterstellen-Tipps für Winterfütterung: Jagdfakten.at informiert

Wild füttern, Wald schützen: die nachhaltigsten Futterstellen-Tipps

Die Winterfütterung ist alles andere als ein dekadentes Winterbuffet für Wildtiere: Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen.
Worauf bei den Futterstellen wirklich geachtet werden muss, verraten wir in diesem Beitrag.

Nachhaltige Futterstellen-Tipps

für die Winterfütterung

Ja, auch der Winter hat seine heißen Themen. In der Jagd ist die Winterfütterung von Wildtieren so eines. Ist sie ein unnötiger Eingriff in natürliche Prozesse? Oder vielmehr ein Akt der Fürsorge, ohne den unsere Wildtiere die Wintermonate gar nicht überstehen könnten? Wie so oft lautet die Antwort für all jene, die sich an Fakten halten wollen: Es kommt drauf an. Heißt: Zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort mag die Winterfütterung Sinn machen, zu einer anderen an einem anderen Ort wiederum weniger.

Fest steht jedenfalls: Winterfütterung an sich als unnötigen Eingriff in natürliche Prozesse zu brandmarken, ist falsch. In der stark menschlich genutzten Kulturlandschaft Mitteleuropas sind viele Wildtierarten heute nicht mehr in der Lage, ihre angestammten Überwinterungsräume frei zu wählen: Täler und sonnige Lagen, die früher natürliche Rückzugsräume waren, sind mittlerweile durch Siedlungen, Infrastruktur oder intensive Landnutzung blockiert. Dadurch geraten Tiere wie Rot- und Rehwild im Winter in Situationen mit extrem eingeschränktem natürlichen Nahrungsangebot – insbesondere bei hoher Schneelage.

„Weder das Rotwild noch das Rehwild müssten gefüttert werden, hätten sie eine freie Wahl der Aufenthaltsräume und wäre bei den Menschen eine ausreichende Bereitschaft zum Tolerieren von Wildschäden gegeben“, so Dr. Miroslav Vodnansky vom Mitteleuropäischen Institut für Wildtierökologie in einem vielbeachteten >> Beitrag auf Jagdfakten.

Für den Forscher ist klar: Wer Wild nicht qualvoll verenden – also verhungern – lassen und Wildschäden wie Verbisse an Jungbäumen und Pflanzen verhindern will, muss dort, wo es Sinn macht, auch aus ethischen Gründen auf Winterfütterung setzen. „Vorausgesetzt, man macht sie richtig“, wie Vodnansky nachschickt. Aber wie macht man das?

So bleibt Wildtierfütterung naturnah

Als besonders wichtig hat sich die sogenannte dezentrale Winterfütterung herausgestellt: Wie unter anderem eine Studie der Universität für Bodenkultur Wien verdeutlicht, sollten Winterfütterungen innerhalb eines Gebiets auf möglichst viele kleinere Anlaufstellen verteilt werden. Dadurch verteilen sich die Tiere gleichmäßiger, der Druck auf empfindliche Waldflächen wird reduziert und das Risiko von Verbissschäden verringert.

Gleichzeitig unterstützt die Verteilung der Futterstellen den natürlichen Energiehaushalt der Wildtiere im Winter. In der Praxis haben sich jene kreativen Lösungen etabliert, die sich möglichst am natürlichen Verhalten der Wildtiere orientieren:

  • Besonders nachhaltig sind also beispielsweise kleine, gut geschützte Rauhfutterraufen, die in Waldrandnähe oder in ruhigen Einstandsgebieten platziert werden, sodass Wild Deckung und kurze Fluchtwege hat.

  • Ergänzend können Ast- und Reisighaufen aus heimischen Laubgehölzen angebracht werden, die dem natürlichen Verbissverhalten entsprechen.

  • In schneereichen Lagen haben sich leicht erhöhte Futterplätze bewährt, die Schneeablagerung reduzieren und den Energieaufwand beim Äsen minimieren.

Nachhaltige Futterstellen-Tipps für Winterfütterung: Jagdfakten.at informiert
Nachhaltige Futterstellen für die Winterfütterung, Fotos: ©Markus Pirker
Nachhaltige Futterstellen-Tipps für Winterfütterung: Jagdfakten.at informiert
Nachhaltige Futterstellen-Tipps für Winterfütterung: Jagdfakten.at informiert

Was ist die „Umlenkfütterung“? 

 

Ein weiterer Eckpfeiler der Winterfütterung lautet „Diversionary Feeding“, auf Deutsch gezielte Umlenkfütterung:
Dabei werden Futterstellen strategisch so platziert, dass Wildtiere von besonders empfindlichen Waldflächen weggelockt werden, um Verbiss und Rindenschäden zu reduzieren. Eine >> Studie in einem intensiv bewirtschafteten österreichischen Wald zeigte, dass Rotwild im Winter Bereiche in der Nähe von Futterstellen bevorzugt. Die Wirkung auf gefährdete Waldflächen reicht rund eineinhalb Kilometer um die Futterstelle – und zeigt jedenfalls: Diese Art der Winterfütterung kann das Habitatwahlverhalten von Wild mit sichtbaren Ergebnissen lenken.

Brauchen Wildtiere bei milderen Temperaturen weniger Futter?

Die zunehmend milden Winter werfen immer mehr Fragen auf, die die Wissenschaft im Bereich der Wildtierfütterung erst noch beantworten muss. Braucht es durch die immer milderen Temperaturen weniger Futter – und inwiefern ändert sich das (Ess-)Verhalten des heimischen Wilds in den nächsten, wärmeren Jahrzehnten?

  • Fest steht: Elementar ist eine kontinuierliche Betreuung während der Notzeit. Wer mit der Winterfütterung beginnt, übernimmt Verantwortung, weil er Wild an einen neuen Futterprozess gewöhnt – und diesen auch bis zum Ende der Winterzeit zu Ende führen sollte.

Winterfütterung als Zukunftsprojekt

Die immer größere Zahl an Studien zu diesem Thema macht deutlich, wie sinnvoll Winterfütterung von Wild sein kann – aber auch, dass dieses „heiße“ Thema mit Blick auf die milderen Winter noch weiter erforscht und beobachtet werden muss. Die umsichtige Praxiserfahrung der Jägerschaft wird in Zukunft dabei helfen können, einige dieser Forschungslücken zu schließen – und unser heimisches Wild gut durch den Winter zu bringen.

UNSERE
LESE-EMPFEHLUNG

Bildquellen für diesen Beitrag: © Markus Pirker
Bilder am Ende des Beitrages: Futtervorlage Wildhege © Clemens-Ruetz, Rothirsch © Pixabay
Autor für diesen Beitrag: L. Palm / Jagdfakten.at

DIESEN
BEITRAG TEILEN