In Tirol zählt er zu den seltener gesehenen Jagdhunden – der Labrador Retriever. Dennoch ist er ein vielfältiger und äußerst lernfähiger Arbeitshund. Wir haben uns daher mit Hundeführer Manuel Waldner über die Labrador Retriever, ihre Arbeit und seinen Weg zum gemeinsamen Erfolg unterhalten.

RETRIEVER

Hundeführer aus Leidenschaft

Der Labrador Retriever gehört zur Sektion Apportierhunde und hat seinen Ursprung in Großbritannien. Namensgebend ist allerdings die Labrador-Halbinsel im Osten Kanadas. Die langjährige Selektion für die jagdliche Nutzung hat zu Hunden mit vorzüglicher Nase und weichen Maul geführt, mit welchem er Wild, Dummies oder ähnliches, ohne es zu beschädigen, apportiert. Der Labrador zeichnet sich durch seinen ausgeprägten „will to please“ – also Wunsch zu gefallen aus, was ihn zu einem sehr lernfähigen und aufmerksamen Arbeitshund macht.

 

Seit wann sind Sie Hundeführer?

Manuel Waldner: Ich bin eigentlich schon mit Hunden aufgewachsen. Als ich ein Kind war, hatten wir einen Bayerischen Gebirgsschweißhund. Mit zwölf Jahren habe ich angefangen, unseren damals sechs Jahre alten BGS für die Schweißarbeit auszubilden. Die „Schweißarbeit“ ist die Suche mit dem Hund auf verletztes oder verendetes Wild. Anschließend habe ich mit ihm die Schweißprüfung in Oberösterreich abgelegt, die er sogar mit Streckenrekord gewonnen hat.

Wie sind Sie dann bei den Retrievern gelandet?

Durch Zufall habe ich mehrere Hundeführer mit Labradoren gesehen und kennengelernt und war von ihrer Arbeit sofort begeistert. Ich war anschließend zwei Jahre lang als Dummywerfer tätig und konnte bereits viel lernen. Im Alter von 14 Jahren habe ich meinen ersten Labrador bekommen.

Was begeistert Sie an der Arbeit mit Retrievern bzw. allgemein mit Hunden?

Mir gefällt einfach die Beziehung zwischen Hund und Mensch. Die Hunde strahlen mich an, wenn der Dummy fliegt, wenn eine Schweißfährte auszuarbeiten ist oder sie bei der Niederwildjagd zum Einsatz kommen – einfach das Miteinander und das gemeinsame Erleben, mit dem ich auch aufgewachsen bin. Jagd, Hund, Natur – alles in einem vereint – das gibt mir sehr viel.

Wenn ich das alles dann noch bei Prüfungen festigen und präsentieren kann, wird damit festgehalten, dass dieser Hund seine Fertigkeiten beherrscht und von mir auf ein bestimmtes Niveau ausgebildet worden ist. Dazu kommen noch zahlreiche Anfragen, bei denen ich mit meinen Hunden für den Jagdeinsatz angefordert werde. Das erfüllt mich mit großem Stolz.

Was zeichnet einen Labrador aus?
Welche jagdlichen Einsatzgebiete gibt es?

 

Der Labrador ist ein klassischer Apportierhund, mit Abstechern auch zu Stangensuchen und der Schweißarbeit. Ich habe mich mit meinen Hunden zunächst auf das Apportieren für die Niederwildjagd spezialisiert. Im Frühling arbeiten wir vorwiegend mit Dummys, im Herbst sind wir dann hauptsächlich auf Niederwildjagden in ganz Europa unterwegs, letzten Herbst waren wir beispielsweise in Tschechien, wo meine Hunde auch bei einem Videodreh zum Einsatz gekommen sind. Wir sind auch jetzt schon für diesen Herbst für zwei Wochen bei einer Niederwildjagd gebucht.

Gibt es noch weitere Arbeitsbereiche für Ihre Labradore?
Abseits der Prüfungen bin ich mit meinen Hunden zum Stangensuchen und für die Nachsuche im Einsatz. Das ruhige Wesen und die geringe Wildschärfe der Hunde sind in bestimmten Situationen von Vorteil und ich werde regelmäßig von verschiedenen Revieren auch in Tirol zur Hundearbeit gerufen. Man muss dazu sagen, der Labrador kann eine große Bandbreite an jagdlichen Arbeiten abdecken und wird häufig unterschätzt.

Mit wie vielen Hunden
trainieren Sie aktuell?

Ich habe momentan leider nur zwei, aber mit meinen Kollegen zusammen haben wir sechs bis sieben einsatzbereite Hunde. Für uns ist das Ziel, dazu beizutragen, dass eine Niederwildjagd tierschutzgerecht abläuft. Die Hauptaufgabe für die Hunde ist daher, angeschossenes Wild zu bringen, damit dieses rasch erlöst werden kann.

Wie weiß der Labrador, wo sich dieses befindet?
Unsere Hunde sind mit Kommandos für links, rechts oder andere Richtungsangaben auch aus der Ferne lenkbar. So können wir sie gezielt einweisen, wo sie nach dem gewünschten Wild oder Dummy suchen sollen.

Beim sogenannten „Field Trial“ wird die ursprünglichste Arbeit der Retriever geprüft: das Apportieren bei der Niederwildjagd.

© Waldner

Internationaler Arbeitschampion der FCI / Field Trial Champion:
Wie erhält man diesen Titel und was bedeutet er?

Grundsätzlich muss der Hund FCI-Papiere haben und dem Formwert der jeweiligen Rassestandards entsprechen. Anschließend ist es erforderlich, dass man bei vier verschiedenen, internationalen Richtern – je Prüfung sind zwei internationale Richter im Einsatz – jeweils einen Prüfungstag gewinnt. Das erreichen zu können, setzt voraus, dass einige Faktoren zusammenstimmen. Einerseits muss einem der Hund vom Wesen her liegen und andererseits muss auch der Hund mit dem Hundeführer können. Glück und Pech liegen eng beisammen und der Hund muss auch erst einmal ausreichend Jagderfahrung gesammelt haben, dass er konstant so gute Arbeit leistet. Das ist ein langer Weg.

Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) ist der größte kynologische Dachverband.

Die FCI dient gemäß ihren Statuten dem Zweck, die Zucht und Verwendung von Rassehunden sowie die Kynologie und das Wohlergehen der Hunde weltweit zu fördern. Sie veröffentlicht Rassebeschreibungen von zur Zeit 355 verschiedenen Hunderassen. An Ausstellungen stellen die Rassestandards für die Richter die Bewertungsgrundlage dar. Zudem sind sie ebenfalls die Basis für die Züchter bei Ihrem Bestreben, erstklassige Hunde zu züchten.

Inwiefern hat die Coronapandemie
das Training beeinträchtigt?

In Tirol haben wir kaum Möglichkeiten für Niederwildjagden zu trainieren, somit waren die Trainingsmöglichkeiten leider immer wieder stark eingeschränkt. Ich bin jetzt aber als nächstes mit ihm bei Prüfungen im Piemont in Italien, wo er sich das erste Mal beweisen kann.

Spüren Ihre Hunde, wenn es sich um eine Prüfungssituation handelt?

Natürlich spüren sie es, da ich selber auch jedes Mal immer noch etwas angespannt bin, vor internationalen Richtern mein Bestes zu leisten. Am Ende des Tages ist es vielleicht „nur“ ein Stück Papier, aber das sogenannte „CACIT“ (Cértificat d’Aptitude au Champion International de Travail / Internationaler Arbeitschampion) sagt viel aus und hat für mich einen großen Wert. Am Ende eines Hundelebens ist aus diesen Papieren bzw. Titeln nachvollziehbar, ob der Hund in seiner Arbeit brilliert hat oder nicht.

Mit welchem Ihrer Hunde konnten Sie
den Titel „FCI-Champion“ erreichen?

Mit Greenbriar Piano, er ist 2014 geboren, also inzwischen 8 Jahre alt, und stammt aus England. Er ist im Alter von 4 Monaten zu mir gekommen und es war Liebe auf den ersten Blick! In seiner ersten Prüfungssaison haben wir in Tschechien gleich den ersten Platz gemacht, dann war Saisonende und nicht mal 11 Monate später sind die nächsten zwei Siege gefolgt. Das war unglaublich und somit wurde er zum internationalen Arbeitschampion. Nun kann er mit diesem Titel demnächst in Pension gehen und seine Erfolge genießen.

Hundeführer Manuel Waldner
mit seinem Titelgewinner Piano.

© Waldner

Welche jagdlichen Prüfungsdisziplinen
gibt es für Labrador Retriever?

Einerseits das Field Trial, das ist die ursprüngliche Prüfungsform der Labrador Retriever aus England. Dabei geht man in einer Linie querfeldein und die Aufgabe für die Retriever ist es, das erlegte oder angeschossene Niederwild zu apportieren. Vom Hund sind eine hohe Konzentration und eine leichte Führbarkeit gefragt. Durch das rasche Bringen von angeschossenem Wild wird hier eine wichtige Arbeit in Bezug auf Tierschutz und Weidgerechtigkeit geleistet. Einmal im Jahr gibt es in England auch die Weltmeisterschaft IGL (International Gundog League Retriever Championship).

Bei den klassischen jagdlichen Prüfungen (Jagdliche Anlagenfeststellung Retriever, Jagdliche Eignung auf Niederwild, JBP/R, BLP, VGP) wird wiederum ein breiteres Themenfeld jagdlicher Situationen abgefragt, also beispielsweise auch Schleppen und Schweißarbeit.

Wie viel Training braucht man, um solche Erfolge zu erreichen?
Ich habe für mich gelernt, dass es am besten für den Hund ist, jeden Tag ein bisschen etwas zu machen – nicht zu viel und nicht zu wenig, das schweißt zusammen. Ich habe mein privates und berufliches Umfeld so ausgerichtet, dass dies möglich ist. Die Hunde wissen immer, wann es los geht und für mich ist es das Schönste jeden Tag, die Dummy-Tasche zu nehmen und mit ihnen zu trainieren. Auf diese Weise lernt man seine Hunde in- und auswendig kennen, was sehr wichtig für die Prüfungssituation ist.

Wie zeitintensiv ist Ihre Arbeit
und die Ausbildung mit den Hunden?

Die Arbeit zum fertig ausgebildeten Hund erfordert langjährige und tägliche Beschäftigung in der Jagdpraxis und im Training. Selbst wenn es jagdlich mal ruhigere Zeiten gibt, so investiere ich auch mit den fertig ausgebildeten Hunden in jedem Fall rund eine halbe bis dreiviertel Stunde pro Tag ins routinemäßige Training. Die tägliche Beschäftigung ist für Hunde enorm wichtig. Dadurch sind meine Hunde psychisch und physisch ausgelastet, sie genießen das Training genauso wie die gemeinsame Zeit daheim auf der Couch. Meine Hunde leisten eine super Arbeit, folgen tadellos und sind jederzeit abrufbar. Um das zu erreichen, musste ich zuerst viel lernen und habe den Kontakt zu zahlreichen Ansprechpartnern von Züchtern bis hin zu Trainern gesucht. Die Anschaffung der Hunde genauso wie die Hintergründe, was ich mit meinem Hund erreichen möchte, müssen also gut überlegt sein. Wenn ich nur einen Hund zum Stangensuchen haben möchte, geht das natürlich auch und benötigt entsprechend weniger Zeit für Ausbildung und Training.

Wie sieht der Alltag mit Ihren Hunden aus?
Es gibt schon einen gewissen Rhythmus: Meistens starten wir gleich in der Früh und trainieren draußen, danach sind die Hunde für einige Stunden zufrieden. Während der Turnier- und Jagdsaison sind die Erholungsphasen sehr wichtig. In dieser Zeit bekommen sie zum Teil ein spezielles Futter, denn man darf nicht vergessen, dass die Hunde im Einsatz Hochleistungssportler sind. Ich habe beispielsweise auch eine eigene Osteopathin für meine Hunde, denn ich bin der Meinung, der Hund gibt mir alles, also gebe auch ich ihm alles, was er braucht.

Wie sind die Trainingsmöglichkeiten
für Labrador Retriever in Tirol?

Durch die wenigen Niederwildreviere muss man sich aktiv auf die Suche nach Trainingsgelegenheiten machen. Die Tiroler Jäger sind meistens zunächst überrumpelt, wenn ich meine Labradore für die Hundearbeit im Revier anbiete, um zu Trainingsmöglichkeiten für die Hunde zu kommen. Wenn die Jäger dann merken, was meine Hunde können und welchen Einsatz sie für die Stangensuche oder bei der Nachsuche zeigen, dann entwickeln sich schnell gegenseitige Wertschätzung, Dankbarkeit und Freundschaften.

Inzwischen habe ich einige fixe Reviere, die mich kontaktieren. Da heißt es dann: „Manuel, wir brauchen dich mit deinen Hunden.“

Wie sehen Ihre Pläne
für die Zukunft aus?

Ich übe das alles in meiner Freizeit aus und ich gehe der Sache mit Herzblut nach. Ob ich ewig bei den Retrievern bleibe, das weiß ich jetzt noch nicht, weil ich mit der Schweißarbeit angefangen habe und mich auch andere Bereiche noch reizen würden. Derzeit kann ich jedoch mit dem Retriever alles abdecken, was mir Freude bereitet.

ZUR PERSON

Manuel Waldner, Jahrgang 1990, wohnt in Absam und hat bereits mit 17 den Jungjägerkurs absolviert und mit 18 Jahren die erste Jagdkarte gelöst. Mit seinen Hunden ist er international gefragt und u.a. unterwegs für Ammon Ammon 75, Jagdservice Fric, Jagdreisen Sepp Stessl sowie Sayn Consult. Mehr Infos: www.duckdog.at