Baumkrankheiten: Buchdrucker - Borkenkäfer, Jagdfakten.at infomiert

Woran erkennt man, dass ein Baum krank ist?

Wie ein Baum in gesundem Zustand aussehen soll, wissen wir. Aber wie merke ich, dass er krank ist? Woher kommt die Krankheit, und (wie) ist sie zu bekämpfen? Und wie groß sind etwaige Wildschäden wirklich? Palmira Deißenberger, Betriebsleiterstellvertreterin Forstbetrieb Flachgau-Tennengau, und Baumkontrolleur Martin Ruschitzka geben die Antworten auf acht Fragen.

BAUMKRANKHEITEN

1. Woran erkenne ich, dass ein Baum krank ist?

Mit freiem Auge erkennbare Zeichen beginnen meist mit jahreszeitlich untypischen Verfärbungen der Belaubung oder frühzeitigem Abfall. Auch die Rinde kann sich verfärben, und an Öffnungen treten Harz oder Baumsäfte aus. Tritt das ein oder fällt das Laub schon im Sommer, muss ich mir Gedanken über die Ursache machen. Viele holzzerstörende Pilze bilden Fruchtkörper, die früher oder später am Baum auftauchen.

2. Welche Baumkrankheiten gibt es und welche sind die gängigsten?

Insekten, Viren, Bakterien und Pilze können einen Baum schwächen, Holzbestandteile auflösen oder im schlimmsten Fall die Pflanze sogar zum Absterben bringen. Man nennt diese auch biotische Krankheitserreger. Befallen werden meist bereits durch ungünstige Umweltfaktoren, wie zum Beispiel Hitzestress, Trockenheit, Auftausalze, Luftverunreinigung oder unverheilte Wunden, geschwächte Individuen.

Unter den vielen verschiedenen baumspezifischen Krankheiten ist ein sehr relevantes Beispiel das sogenannte Eschentriebsterben (Hymenoscyphus fraxineus). Hier werden, ausgelöst durch einen Pilz, die Leitungsbahnen im Stamm der Esche unterbrochen, was zum Absterben führen kann.

3. Welche Schädlinge tun dem Baum besonders weh und warum?

Insbesondere Insekten, die den Baum beispielsweise durch Blattfraß, Aussaugen von Baumsäften oder Rindenfraß so weit schädigen, dass dessen Abwehrmechanismen irgendwann nicht mehr ausreichen, um sich gegen diese zur Wehr zu setzen und sich zu regenerieren.

Ein gutes Beispiel ist hier der bekannte Buchdrucker (Ips typographus) aus der Familie der Borkenkäfer, der verheerende Schäden in Fichtenwäldern verursacht. Hierbei fressen sich mitunter die Larven durch den Bereich zwischen Rinde und Splintholz. Dabei wird das Kambium, die Wachstumsschicht des Baumes, zerstört. Die Fichte vertrocknet und stirbt noch während des Befalls ab.

4. Gibt es Möglichkeiten zu erkennen, ob die Baumwurzel noch intakt ist?

Ohne erkennbare Schäden oder Vorwissen von eventuellen Aufgrabungen rund um den Stamm kann man davon ausgehen, dass die Baumwurzel intakt ist. Eindeutige Anzeichen für eine Schädigung sind gewisse Pilzfruchtkörper am Stammfuß. Pilze wie Hallimasch (Armillaria spp.) oder Brandkrustenpilz (Kretzschmaria deusta) sind optisch leicht zu erkennen und verursachen den Abbau von statisch notwendigen Holzbaustoffen. Bei einer weiterführenden Baumbegutachtung mit technischen Hilfsmitteln, wie zum Beispiel einem Zugversuch, kann untersucht werden, ob die erforderliche Standsicherheit gegeben ist.

Baumkrankheit: Brutbild Buchdrucker unter der Rinde - Jagdfakten.at informiert
Brutbild: Buchdrucker unter der Rinde

5. Kann man theoretisch einen Baum „gesund pflegen“ –
und wenn ja, wann macht das Sinn?

Die meisten relevanten Krankheiten können nicht durch Schnittmaßnahmen aus dem Baum „herausgeschnitten“ werden. Bei Obstbäumen kann durch einen regelmäßigen Schnitt und das Entfernen von „Fruchtmumien“ der Befallsdruck durch Pilzerkrankungen wie Monilia reduziert werden. Jungbäume können mit Schutzmaßnahmen und Stärkungsmitteln vitalisiert werden, um besser gegen diverse Krankheiten und Schädigungen gewappnet zu sein. Die beste Vorsorge für gesunde Bäume ist die Wahl des jeweils richtigen Standorts vor der Pflanzung und eine angepasste Wilddichte.

6. Kann ein kranker Baum auch auf die umliegenden „ausstreuen“?

Ja, das ist möglich, gerade wenn viele Bäume der gleichen Art zusammenstehen.

Beispiele dafür sind das bereits erwähnte Eschentriebsterben, Monilia oder auch die Massariakrankheit an Platanen. Auch der frisch geschlüpfte Buchdrucker sucht sich unweit seines nun abgestorbenen „Mutterbaumes“ eine neue Fichte, in der er seine Eier ablegen kann. Um einer unkontrollierten Massenvermehrung vorzubeugen, müssen noch befallene Stämme deshalb so rasch wie möglich entrindet oder aus dem Wald abtransportiert werden.

Ungeachtet des Waldes ist es im öffentlichen Bereich empfehlenswert, seine Bäume regelmäßig zu kontrollieren, wie weit eine Schädigung fortschreitet oder sich ausgebreitet hat, um dann einzuschätzen, ob dadurch die Verkehrssicherheit beeinträchtigt ist und Maßnahmen zu setzen sind.

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Absterbende Fichten durch Befall von Buchdrucker
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Brandkrustenpilz an verletztem Stamm eines Bergahorns
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Durch ETS befallene Esche

7. Was sind die am häufigsten verursachten Wildschäden, und was kann man dagegen tun?

Bzw. haben Wildschäden in den letzten Jahren zugenommen?
Der häufigste durch Wild ausgelöste Schaden in Wäldern ist der Verbiss an Jungbäumen.

An zweiter Stelle stehen die sogenannten Schälschäden, die vorwiegend von Rotwild verursacht werden. Dabei handelt es sich in beiden Fällen um eine Nahrungsaufnahme durch das Wild, diese ist aber nicht per se als negativ für den Wald zu beurteilen. Ob ein Verbiss oder eine Schälung zu einem Schaden werden, kommt auf mehrere Faktoren an: im Wesentlichen auf die „Lebensraumtragfähigkeit“ der Wälder. Das heißt die Qualität der Wälder als Lebensraum für eine gewisse Wilddichte, und zum anderen auf den Wildbestand, der jenen Lebensraum bewohnt.

Die Qualität der Wälder ist dabei sehr stark vom Menschen beeinflussbar, oft durch Störung zu Ungunsten des Wildes. Bei der Einschätzung der richtigen Wilddichte ist es wichtig, dass sich der Wald noch ausreichend ohne künstliche menschliche Hilfe verjüngen kann, damit sein Fortbestand gesichert ist. Wenn die Wilddichte die Tragfähigkeit übersteigt, so ist der Fortbestand nicht mehr gesichert und es kommt zu Wildschäden am Wald.

8. Gibt es Bäume, die besonders anfällig für bzw. bedroht von Wildschäden sind?

Ja, die gibt es.

Beim Verbiss sind es jedoch andere als bei der Schälung. Verbissen werden gerne Jungbäume, die in einem Gebiet selten vorkommen und besonders schmackhaft sind, wie zum Beispiel Buchen und Ahorn in sehr nadelholzreichen Gebieten oder junge Tannen in Regionen, wo diese nur noch vereinzelt oder gar nicht mehr vorkommen und vom Menschen wieder eingebracht werden. Gibt es keine „Exoten“ im Gebiet, dann wird verbissen, was da ist. Starken Verbiss erkennt man gut an der bonsaiartigen Wuchsform der Pflanzen.

Bei der Schälung werden Gehölze bevorzugt, deren Rinde eher fein und daher leicht zu schälen ist. Fichtenrinde wird vorwiegend geschält, aber auch jüngere Eschen oder Ahorne werden ab und zu angenommen. Bei der Schälung ritzt das Rotwild die Rinde mit den unteren Schneidezähnen an, klemmt die leicht abgelöste Rinde zwischen Kauplatte und Zähne und zieht dann mit einer Kopfbewegung die Rinde nach oben vom Stamm weg.

Neben einer Holzentwertung bietet ein Schälschaden auch eine Eintrittspforte für Pilzsporen, Viren oder Bakterien, welche eine zusätzliche Schädigung der Bäume verursachen. Alte Bäume mit sehr grober Rinde werden nicht mehr geschält.

Die Jagdfakten-Redaktion bedankt sich für das Gespräche bei Palmira Deißenberger und Martin Ruschitzka.

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Bildquellen für diesen Beitrag: © Ruschitzka | © Deissenberger | © Liacht Malerei Wittman
Autor für diesen Beitrag: U. Macher / Jagdfakten.at

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