
Wie ein Dichterkreis die jagdliche Lyrik am Leben erhält
Jagdlyrik bleibt zeitgemäß – davon ist der Dichterkreis Jagdlyrik, ein in Europa einmaliger Zusammenschluss schreibender Jäger und Jägerinnen, überzeugt. Was erzählt uns die jagdliche Lyrik über Vergangenheit und Gegenwart?
JAGDLYRIK
Die Jagd begleitet den Menschen seit Anbeginn, ebenso wie sein Wunsch, sich auszudrücken. Kein Wunder also, dass alle Kulturformen von der Jagd geprägt wurden. Die Malerei zeigt von der Höhle bis zur Leinwand die Jagd als Lebensmittelbeschaffung, als Auseinandersetzung mit dem Tod und Gott, als Naturerlebnis, als Zeichen für Stand und Status oder als Abenteuer. Ähnliches finden wir in Jagdliedern und traditioneller Musik in allen Ländern und Kulturen der Welt. Auch die jagdliche Lyrik erzählt von den großen Themen, die Jägerinnen und Jäger – und letztlich alle Menschen – bewegen: Die Natur, das Leben, der Tod.
Der Dichterkreis
Die Teilnahme von Hans H. Milles an einem 2010 europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb für Jagdlyrik sollte 2011 für ihn den Grundstein für die Gründung des heutigen Dichterkreises legen.
„Die Motivation lautete: Wir dürfen die weithin in Vergessenheit geratene Jagdlyrik nicht untergehen lassen“, so Milles. „Das erklärte Ziel unserer Gemeinschaft heißt: Jagdlyrik zu praktizieren, für deren Wahrung einzutreten und neue Anhänger zu finden.“
Wald
Suchend die Ruh,
müde Augen,
erblicken den Wald.
In seinem Schutze,
fühlst du,
getragene Stille,
unbändige Kraft,
beseelende Tiefe,
was alsbald,
dir zum Wohle
und Nutze,
Leben verschafft.
– Bruno Maurer
Jagdlyrik als Zeitzeuge
Wie jede künstlerische Ausdrucksform will die Jagdlyrik ein Ausdruck der Gegenwart sein. Das hat im 19. Jahrhundert, einer Zeit, in der die Jagd dem Adel und Grundherren vorbehalten war, etwas anderes bedeutet als heute. Ein Thema, das der Jagdlyrik bleibt, ist die Schönheit der Natur, erklärt der Gründer des Dichterkreises:
„Im Kern hat sich die Jagdlyrik nicht verändert: nach wie vor lobpreisen wir die Schöpfung in all ihren Facetten. Was wir Jagdlyriker heute ‚notwendigerweise‘ zusätzlich in den Fokus nehmen, ist die Kritik an gewissen Gesellschaftsteilen, an deren zerstörerischem Umgang mit unserer Lebensgrundlage ‚Natur‘ und an ihrer mangelnden Achtung vor dem Mitgeschöpf ‚Wildtier‘.“
Jägers Anklage
Geliebter Wald,
Wer, frag ich, hat’s den Frevlern erlaubt,
Die dich deines Glanzes so arg beraubt?
Durch Gier und Unvernunft geschunden,
Wo einst in dir ich Glück gefunden!
Was bleibt von all der Zauberpracht,
Die du den Treuen zugedacht?
Verblasst zwar Zuversicht und Freud,
Mein Abschiedsgruß? Wohl nicht mehr weit!
Doch…
Möchte ich ein Stück deiner Wege noch gehn,
Sag, wirst es du mir zugestehn?
– Hans H. Milles
Widerhall in den Gedichten
des Dichterkreises
Nur wenige Menschen erleben die Natur wie es Jägerinnen und Jäger tun. Sie beobachten, agieren in ihr und erfahren sich dabei als unmittelbarer Teil der Natur. Auch Zweifel, Unglück und Tod spielen oft eine Rolle und finden ihren Widerhall in den Gedichten des Dichterkreises:
“Zur Streck gebracht, gelegentlich,
Frag ich nach dem Sinn bewusst,
Freud und Leid dann treffen sich
Zum Kampf in meiner Jägerbrust“
Jährlich gibt der Dichterkreis einen Lyrikband heraus, der von den Mitgliedern verfasste Lyrik und Prosatexte sammelt. 2026 erscheint dieses Jahrbuch bereits zum 14. Mal. Die Abbildung zeigt das Gruppenfoto vom Dichterkreis Jagdlyrik:
Schreibende Jäger und Jägerinnen willkommen
Die 16 aktive Mitglieder umfassende Gemeinschaft hat sich in den 15 Jahren ihrer Existenz einen beeindruckenden Bekanntheitsgrad geschaffen und ist heute im gesamten deutschsprachigen Raum (Deutschland/Österreich/Schweiz) vertreten. Es ist ein großes Anliegen des Dichterkreises, diese Gemeinschaft stetig um gleichgesinnte schreibende Mitglieder zu erweitern.
„Wir arbeiten kameradschaftlich nach dem basisdemokratischen Prinzip. Als ein wichtiges Element der Verständigung und der sozialen Bindung dient ein jährlich stattfindendes Mitglieder-Treffen als Diskussions- und Entscheidungsforum,“ erklärt Gründervater Hans Milles. Der Dichterkreis ist eine lose Interessengemeinschaft (kein Verein) und ist allen deutschsprachigen, schreibenden Jägern und Jägerinnen zugänglich.
Kontakt: Hans H. Milles | hamibu@gmx.de
Das aktuelle Jahrbuch “… und ein Zauber liegt darüber“
ISBN 978-3-00-084167-5
kostet 16,- EUR zzgl. Versand.
Zu beziehen ist es, so wie alle früheren Jahrbuch-Ausgaben, unter:
www.jagdlyrik.com
oder via Bruno Maurer
E-Mail: bruno@brennerhaus.at
Rattendorf 44, 9631 Jenig
UNSERE
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Bildquellen für diesen Beitrag: © Dichterkreis Jagdlyrik | © Canva by Jagdfakten
Autor für diesen Beitrag: J. Egger / Jagdfakten.at
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