
Die Esche – Königin der Auen, Wächterin der Wälder
Kaum ein Baum hat in den letzten Jahrzehnten eine so dramatische Wandlung durchlebt wie die Esche (Fraxinus excelsior): Einst verehrtes Symbol für Stärke, ist sie heute regelrecht das Sinnbild für die Verletzlichkeit unserer Ökosysteme. Ihr Schicksal erzählt vom Wandel des Waldes in Zeiten des Klimadrucks und globaler Bedrohungen. Ein Portrait:
DIE ESCHE
Name allgemein: Gemeine Esche
(Fraxinus excelsior)
Familie: Ölbaumgewächse
(Oleaceae)
Wuchshöhe:
bis 40 m
Blätter: gegensätzige, gefiederte Blätter
mit 9–15 Fiederblättchen
Winterknospen: schwarz, samtig
Alter: bis rund 300 Jahre
Stammdurchmesser: über 1 m möglich
Rinde: silbergrau, später tief gefurcht
Standorte: feuchte, nährstoffreiche Böden;
Auen, Flusslandschaften, Hanglagen mit Kalk
Verbreitung: europaweit;
in Österreich vom Tiefland bis ca. 1.200 m Seehöhe
Wie sieht eine Esche aus?
Mit bis zu 40 Metern Höhe, einem Stammdurchmesser von über einem Meter und einem (hohen) Alter von bis zu 300 Jahren zählt die Gemeine Esche zu den größten heimischen Laubbäumen Europas.
Ihre aufstrebende Krone wirkt fast architektonisch – ein harmonisches Zusammenspiel aus Kraft und Eleganz. Junge Eschen zeigen eine glatte, silbergraue Rinde, die im Alter in tief gefurchte, schwarzgraue Platten übergeht. Charakteristisch sind ihre gegensätzlich angeordneten Fiederblätter (meistens sind das neun bis fünfzehn an der Zahl) und die samtig schwarzen Knospen, die im Winter wie kleine Flammen wirken.
Wo kommt die Esche vor?
Die Esche liebt Licht und Feuchtigkeit. In Österreich ist sie vom Tiefland bis in etwa 1.200 Meter Seehöhe verbreitet, sie bevorzugt jedoch frische, nährstoffreiche Böden entlang von Flüssen, in Auen und auf Hanglagen mit kalkhaltigem Untergrund. Besonders eindrucksvoll zeigen sich Eschenbestände in den Donau-, March- und Innauen. Ihr starkes Wurzelwerk macht sie zu einem unverzichtbaren Erosionsschutz – ein stiller Helfer im Kampf gegen Bodenschwund und Hangrutschungen.
Wie wird die Esche genutzt?
Wirtschaftliche Bedeutung und Holznutzung
Das Holz der Esche gilt als eines der hochwertigsten Harthölzer Europas – hart, elastisch, zäh und zugleich biegsam. Es wird seit Jahrhunderten für Werkzeugstiele, Sportgeräte, Möbel, Schäfte und Böden geschätzt. Seine hellgelbe bis rötlichbraune Maserung und der seidige Glanz machen es besonders dekorativ. In der Jagd findet Eschenholz traditionell Verwendung bei Gewehrschäften und im Bogenbau.
Ökologische Rolle und
Bedeutung für die Jagd
Die Esche ist ein Schlüsselbaum für viele Waldökosysteme. Ihre lichtdurchlässige Krone ermöglicht es Kräutern, Farnen und Jungpflanzen, im Unterwuchs zu gedeihen. Ihr rasch verrottendes Laub reichert den Boden mit Nährstoffen an und fördert Humusbildung – eine Grundlage für Biodiversität. Über 60 Insektenarten sind direkt auf Esche und ihre Blätter spezialisiert, darunter seltene Bockkäfer und Schmetterlingsraupen. Auch Spechte, Kleiber und Waldmäuse nutzen den Baum – als Nistplatz, Nahrungsquelle oder Rückzugsort.
Für die Jagd ist die Esche eine unscheinbare, aber unverzichtbare Verbündete. Ihre dichten Jungbestände bietet Schutz und Deckung für Reh- und Niederwild, ihr frühes Laub trägt zur Äsung und zur Bodenverbesserung bei. In gemischten Beständen schafft sie Licht und Struktur, was sich positiv auf die Artenvielfalt auswirkt. Mit dem Rückgang der Esche verändern sich auch Wildverhalten und Vegetationsstruktur – ein stiller Wandel, der Jägern und Forstleuten gleichermaßen Sorge bereitet.
Eschentriebsterben –
eine stille Katastrophe
Der Schönheit des Waldes steht nicht nur eine harte Zeit bevor, vielmehr steckt sie schon mittendrin:
Seit den 2000er-Jahren breitet sich in Mitteleuropa das sogenannte Eschentriebsterben aus – verursacht durch den eingeschleppten asiatischen Schlauchpilz „Falsches Weißes Stängelbecherchen“ (Hymenoscyphus fraxineus), der über die Blätter in das Holzsystem eindringt. Das Ergebnis sind abgestorbene Triebspitzen, Rindennekrosen und der schleichende Tod des gesamten Baums. Nach Schätzungen der Bundesforschungszentrale für Wald (BFW) sind heute über 80 (!) Prozent der heimischen Eschenbestände infiziert. In manchen Regionen Österreichs liegt der Ausfall bereits bei über 90 Prozent.
Dennoch gibt es Hoffnung: Einzelne Exemplare weisen eine genetische Resistenz auf. Forstwissenschaftler arbeiten intensiv daran, solche Bäume zu identifizieren und gezielt nachzuziehen – ein Generationenprojekt.
Klimawandel und
Zukunftsperspektive
Ob die Esche ihren Platz in unseren Wäldern behält, hängt von Anpassungsfähigkeit und züchterischem Geschick ab. Sie gilt als mäßig hitzetolerant, reagiert jedoch empfindlich auf Trockenstress. Experten sehen ihre Zukunft in feuchten Schluchtwäldern, Auen und Hochlagen, während trockene Standorte zunehmend ungeeignet werden. Wenn resistente Linien erfolgreich etabliert werden, könnte sie künftig in klimaangepassten Mischwäldern wieder eine wichtige Rolle spielen.
Mythologische Wurzeln
Schon in der nordischen Mythologie galt die Esche als heiliger Baum: Yggdrasil, die Weltenesche, verband Himmel, Erde und Unterwelt.
Auch in der Volksmedizin hatte die Esche ihren festen Platz: Blätter und Rinde wurden gegen Gicht, Fieber und Schwellungen verwendet. Und in alten Bauernkalendern hieß es: „Wenn die Esche vor der Eiche treibt, gibt’s ein nasses Jahr!“
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Bildquellen für diesen Beitrag: © Pixabay
Autor für diesen Beitrag: U. Macher / Jagdfakten.at
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