Parforcehorn - Jagdfakten.at informiert über die wichtigsten Jagdhörner

Horn to be wild 

Das Jagdhorn hat eine jahrhundertealte Tradition. Aber welche Hörner sind heute noch relevant?
Worauf muss ich beim Kauf achten, was kosten und wie klingen sie? Wir haben einen Experten befragt.

JAGDHORN
TIPPS FÜR DEN KAUF

Andreas Bergmann kam eigentlich wie die Jungfrau zum Kind: In Wien hat er Trompete studiert, danach in einer Musikschule im Weinviertel unterrichtet, bis er eines Tages die Urlaubsvertretung eines Kollegen in einer Jagdhornbläsergruppe übernommen hat. Das war vor 30 Jahren. Heute gibt der Hornmeister unter anderem an der Universität für Bodenkultur sein Wissen weiter, auch und sehr gerne an Anfänger.

Qualität hat seinen Preis

In seiner reinsten Form ist das Jagdhorn ein Blechblasinstrument, gefertigt aus Messing oder einer – wertigeren – Gold-Messingmischung. Es hat weder Ventile noch Klappen noch Löcher und verfügt gerade einmal über sieben Naturtöne.

Wie so oft erklärt auch hier der Preis die Qualität. Bergmann: „In Deutschland gibt es mit Dotzauer sowie Kühnl & Hoyer zwei Traditionsbetriebe, die hochwertige Hörner produzieren.“ Preislich geht es hier bei rund 260 Euro los, wobei inzwischen aber auch China den Markt erkannt hat und günstige Hörner schon ab knapp 70 Euro verscherbelt. Sehr zum Leidwesen der Töne, die das Horn verlassen. „Die Naturtonreihe“, so Bergmann, „muss gut intoniert sein. Sind die Töne zu hoch bzw. zu tief, muss der Bläser mit den Lippen ausgleichen.“

Welche Jagdhörner sind heute für die Jagd relevant?

 

Prinzipiell sind heute zwei Hörner für die Jagd relevant:

  • Das Fürst-Pless-Horn sowie
  • das Parforcehorn.

Das Fürst-Pless-Horn wurde 1880 nach Hans Heinrich XI., Fürst von Pless, benannt, dem Oberjägermeister unter den Kaisern Wilhelm I. und Wilhelm II., der zu seiner Verbreitung wesentlich beitrug, indem er damit die kaiserlichen Jagden leitete. Dieses Instrument ist ein in B gestimmtes Naturhorn mit einer Länge von ca. 130 cm, welches den Jägern zum Anstimmen der Jagdsignale dient. Im Normalfall ist das Fürst Pless umwickelt. „Das ist vor allem bei der Jagd zu empfehlen, weil es somit geschützt ist.“

Dem gegenüber steht das Parforcehorn. Dessen Vorgänger, das sogenannte Dampierrehorn, kam bei exklusiven Jagden zu Pferde von Ludwig XIV. zum Einsatz und erreichte Österreich sowie Deutschland über Böhmen. Mit einer längeren Windung von ca. 2,60 m klingt es genau eine Oktave tiefer als das Plesshorn in B. Heute kommen die beiden Hörner bei gemischten B-Gruppen (je zwei Pless und zwei Parforce in B) oft und gerne zum Einsatz.

„Wenn man das mit einem Chor vergleichen will“, so Bergmann,

  • „übernimmt das Plesshorn Sopran und Alt,
  • das Parforcehorn Tenor und Bass.
Plesshorn mit Ventilen & Fürst Plesshorn - Jagdfakten.at informiert
Plesshorn mit Ventilen & Fürst Plesshorn
Jagdhorn Parforce mit Umschaltventil - Jagdfakten.at informiert
Parforcehorn mit Umschaltventil

Diese 6 Jagdhörner gehören zu den Must-haves:

Im Prinzip, so Bergmann, sind diese Hörner die Must-haves zur Jagd bzw. zum Absenden von Leit- und Totsignalen. Wobei es von beiden mehrere unterschiedliche Varianten gibt. Die wichtigsten finden Sie hier:

Das kleine Taschenhorn:
Die Miniatur des Plesshorns, allerdings öfter gewickelt, sodass es auch leicht in die Hosentasche passt. Ein Horn für den Notfall, weil es klanglich nicht gar so gut performt.

Fürst Pless: siehe Beschreibung oben.

Fürst Pless mit Zusatzventilen:
Die Ventile funktionieren in der Handhabung wie jene einer Trompete und ermöglichen das Spielen mehrere Töne (ähnlich den schwarzen und weißen Tasten beim Klavier). Dieses Horn kommt ursprünglich aus der DDR und wurde gebaut, um auch Hymnen spielen zu können.

Parforce in B:
Das klassische Parforce-Horn – siehe Beschreibung oben.

Parforce in Es: Dieses Horn ist um ein Drittel länger als jenes in B, dadurch tiefer und somit der Vorläufer des heutigen Orchesterhorns. Es nutzt zusätzlich den oberen Bereich der Naturtonreihe und hat einen Tonvorrat von 16 Tönen.

Parforcehorn mit Umschaltventil B/Es: Prinzipiell ein Horn in Es, aber mit einem Umschaltventil ausgestattet, um auch die Naturtonreihe auf B nutzen zu können. Kommt vor allem in Österreich und Deutschland zum Einsatz.

Das passende Mundstück
zum Jagdhorn

Wer ein Jagdhorn kauft, bekommt freilich auch das passende Mundstück dazu. Wobei viele Jagdhornbläser mit musikalischer Vorbildung gerne auf Altbewährtes vertrauen. Das wäre z. B. beim Fürst-Pless-Horn das Trompeten- oder Flügelhornmundstück, beim Parforcehorn in B kommen spezielle Parforcehornmundstücke zum Einsatz, aber auch die Verwendung von Posaunenmundstücken ist mit speziellen Adaptern möglich. Beim Parforcehorn in Es werden meistens Waldhornmundstücke verwendet. „So klingt der Ton weicher“, weiß Bergmann.

Tipp: Die BOKU bietet >> Jagdhorn-Kurse für Anfänger!

UNSERE
LESE-EMPFEHLUNG

Bildquellen für diesen Beitrag: privat beigestellt
Autor für diesen Beitrag: U. Macher / Jagdfakten.at

DIESEN
BEITRAG TEILEN