KI im Jagdrevier: Wildkamera zeigt Hasen - Jagdfakten.at informiert

Künstliche Intelligenz im Revier: Risiko oder Chance?

Selbst vor Wild und Wald macht die Künstliche Intelligenz nicht halt. Was dystopisch klingt, birgt große Chancen für unsere Biodiversität, findet der KI-Unternehmer Dominik Dachs. Nur: Bei der Jagd sieht er das anders …

KI im Jagdrevier

Risiko oder Chance?

„Ich steig’ doch nicht auf einen Hochsitz, um die ganze Zeit aufs Handy zu starren!“, sagt Dominik Dachs.

Was nach gesundem Menschenverstand klingt, bekommt aus dem Mund eines studierten Wildtierökologen eine besondere Bedeutung: Dachs hat nämlich eine ausgeprägte Affinität zu Bildschirmen, Daten – und Algorithmen. Sein Unternehmen „Meles“ in Großraming hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit einer Vielzahl an Daten das Wildtiermanagement zu optimieren – um nicht zu sagen: zu revolutionieren.

Wenig verwunderlich, dass dabei das Schlagwort der Künstlichen Intelligenz (KI) eine große Rolle spielt. „Ohne die KI könnten wir die großen Datenmengen, die wir sammeln, nicht in diesem Tempo auswerten“, sagt Dachs. Was heißt das genau? Und warum ist ausgerechnet jemand wie er so skeptisch, wenn es um den Einsatz der KI beim Jagen geht?

Jagdfakten.at im Gespräch mit KI-Unternehmer Dominik Dachs

Daten statt Bauchgefühl

Seit seiner Gründung 2020 geht es bei Meles um eines: „Eine solide Datenbasis zu schaffen, um fundierte und nachvollziehbare Entscheidungen im Jagd- und Wildtiermanagement zu ermöglichen“, erklärt Dachs. Das bedeutet etwa: In einem genau definierten Forstgebiet werden Fotofallen – automatische wetterfeste Kameras mit Bewegungsmeldern – installiert, um über längere Zeit den Wildtierbestand zu dokumentieren.

Dieses „Wildtiermonitoring“ erzeugt heute ein Vielfaches an Daten im Vergleich zu früher. „Diese Datenmenge – wir sprechen von bis zu 30.000 Bildern – kann nur eine KI effizient verarbeiten“, sagt Dachs. „Noch vor zehn Jahren saßen Menschen vor jedem einzelnen Foto und trugen Daten manuell in Excel-Tabellen ein. Heute analysiert die KI das in Sekunden – und kann zudem viel mehr Kategorien erfassen, etwa Wetter, Temperatur oder Vegetationszustand.“

Solche Daten liefern eine fundierte Grundlage für ökologische Entscheidungen. Zum Beispiel bei Verbissanalysen: „Wir können besonders schadensanfällige Regionen aufzeigen, also Gebiete, in denen Wild dem Wald stark zusetzt, etwa indem es bestimmte Baumarten häufig abäst.“ Das unterstützt eine nachhaltige wildökologische Raumplanung und macht Entscheidungen objektiver.

Wenn KI Lebensräume bewertet

 

Aktuell arbeitet Dachs an einem Projekt namens BioDivAI – einer KI, die Lebensräume bewertet.

„Draußen fehlt uns oft die Möglichkeit, genau zu quantifizieren, welche Schutzmaßnahmen welche Wirkung haben – vieles basiert auf Bauchgefühl“, erklärt er. „Doch wenn etwa eine Renaturierungsverordnung Biodiversität verbessern soll, müssen wir mit minimalem Mitteleinsatz den größten Erfolg erzielen. Dafür entwickeln wir ein Werkzeug, das projiziert, welchen Effekt zum Beispiel ein Hektar Wildacker auf die Biodiversität hat.“ Hier sieht Dachs großes Potenzial für die Zukunft.

Nur beim eigentlichen Jagen zieht er klare Grenzen: „Ich war kürzlich mit einem Freund auf der Jagd, und wir haben bewusst unsere Handys ausgeschaltet“, erzählt er. „Eine Unmenge an Apps und Systemen – von Wärmebildkameras ganz zu schweigen – könnten uns zeigen, wo sich welches Wild befindet. Aber ist es das, worum es beim Jagen geht? Die weidmännische Jagd ist ein analoges Abenteuer. Deswegen bleibt auf dem Hochsitz das Handy aus.“

V.l.n.r.: Marder, Rotwild und Fuchs vor Wildkamera

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Bildquellen für diesen Beitrag: © Meles | Wildkamera
Autor für diesen Beitrag: L. Palm / Jagdfakten.at

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