Bei der aktuellen Frage nach dem Schalldämpfer für Jagdgewehre herrscht keine Einigkeit – auch in der Jägerschaft wird das Thema diskutiert. Jagdfakten.at zeigt das „Für und Wider“ auf und fasst die wesentlichen Fakten zusammen: Schalldämpfer ja oder nein?

 

Aktuelle Gesetzeslage:

Schalldämpfer sind in der Jagd seit 1.1.2017 erlaubt. Allerdings nur sehr eingeschränkt. Verwenden dürfen sie nur Berufsjäger – und auch nur dann, wenn ihr Arbeitgeber den Schalldämpfer für sie beantragt. Für alle anderen Jäger gilt wie bisher: Schalldämpfer verboten! Aktuell wird darüber diskutiert, bei der anstehenden Novelle des Waffengesetzes Schalldämpfer für die gesamte Jägerschaft freizugeben.

 

Das sagen die Befürworter:

1) Schutz des Gehörs – von Mensch und Tier

Ein Schuss aus einem Jagdgewehr ist laut: Der Mündungsknall – so der Fachausdruck – kann bis zu 165 Dezibel laut sein, was der Lautstärke von Rennwagen oder Jagdflugzeugen entspricht. Die Schmerzgrenze liegt für Menschen bei rund 120 Dezibel. Zum Schutz davor gibt es für Menschen einen – nicht immer sehr praxistauglichen – Hörschutz. Für Jagdhunde gibt es nichts Vergleichbares.

Schalldämpfer würden den Knall keineswegs völlig „schlucken“, sondern auf ein erträgliches Maß reduzieren: auf etwa 100 – 120 Dezibel, was dem Geräuschpegel einer einfahrenden U-Bahn bzw. der Lautstärke einer Orchestermusik entspräche.

 

2) Weniger Rückstoß – weniger „Mucken“

Wenn eine Jägerin / ein Jäger von „Mucken“ spricht, dann ist das Verkrampfen des Jägers in Erwartung des Rückstoßes vor der Schussabgabe gemeint. Schalldämpfer reduzieren diesen Rückstoß. Das hat zwei sehr wesentliche Vorteile:

Zum einen reduziert sich das Schmerz- und Verletzungspotenzial für die Jäger. Zum anderen erhöht sich die Treffergenauigkeit. Vor allem Zweiteres wird von den Befürwortern als wichtiges Argument für den Schalldämpfer vorgebracht.

 

3) Weniger Stress für Wildtiere

Der Knall eines Jagdgewehres scheucht Wildtiere auf. Das verursacht Stress, der durch Schalldämpfer reduziert werden könnte. Nicht zu schießen – wie Jagdgegner fordern – ist keine Lösung:

Ein wesentlicher Punkt der Jagd ist die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts in der Natur. Daher gibt es klar vorgegebene Abschusspläne, die – oft gar nicht so einfach – einzuhalten sind. Nur so schaffen wir eine lebenswerte Natur für Mensch und Tier.

Die Lautstärke des Mündungsknalls eines Jagdgewehres ist vergleichbar mit dem Start eines Kampfflugzeuges

Das sagen die Gegner:

1) Nicht weidgerecht

Weidgerechtigkeit ist die Moral der Jäger. Wer nicht weidgerecht agiert, verhält sich nicht anständig. Da sind die Grenzen der Weidgerechtigkeit oft strenger als das tatsächliche Gesetz. Zur Weidgerechtigkeit gehört vor allem der respektvolle Umgang mit dem Revier und seinen Wildtieren.

Auf so manchem Jäger-Stammtisch wird daher aktuell diskutiert, ob die Verwendung von Schalldämpfern weidgerecht sei. Den zuvor genannten Argumenten der Befürworter wird dabei selten widersprochen. Vielmehr besteht die Sorge, dass der Schalldämpfer den „schwarzen Schafen“ nützen könnte, um unbemerkter zu jagen. Genehmigte Abschussquoten könnten umgangen werden, so die Befürchtung.

 

2) Jagd vs. Wilderei

Vereinfacht gesagt bedeutet „Wilderei“: Wildtiere vorsätzlich und unerlaubt in einem fremden Jagdrevier zu erlegen, zu verletzen oder zu fangen. Detailliert ist die Wilderei im Strafgesetzbuch (StGB), §§ 137 bis 140, geregelt. Für die Moral der Jäger ist die Wilderei die höchste Respektlosigkeit.

Mit der generellen Erlaubnis von Schalldämpfern sehen viele Jäger Tür und Tor für die Wilderei geöffnet: Wenn Schüsse nicht mehr, oder deutlich schwerer gehört werden, kann unbemerkt(er) gejagt werden.

 

Anlass für die aktuelle Diskussion:

Das Thema selbst ist nicht neu und wurde ja erst kürzlich (1.1.2017) neu geregelt. Seitdem ist „die Verwendung von Vorrichtungen zur Dämpfung des Schussknalles für Schusswaffen der Kategorie C und D“ im Waffengesetz §17 Abs. 3 und 3a geregelt.

Demnach können Berufsjäger für eine bestimmte Frist vom generellen Verbot der Nutzung von Schalldämpfern ausgenommen werden. Der Nachweis ist vom Arbeitgeber zu erbringen. Die Verwendung hat „zweckmäßig und zum Schutz der Gesundheit des Arbeitnehmers im Sinne des Arbeitnehmerschutzgesetzes zu sein“, so der Gesetzestext. Und dieser wurde bisher genau so umgesetzt.

Neu ist, dass das Landesverwaltungsgericht Niederösterreich im Dezember 2017 Rechtsanwalt Raoul Wagner, einem „gewöhnlichen Freizeitjäger“, einen Schalldämpfer für die Jagd zugestanden hat. Denn: Ein Sicherheitsrisiko durch den Missbrauch Krimineller sieht das Gericht, im Gegensatz zur Behörde, nicht.

Raoul Wagner geht davon aus, dass nun Bewegung in die Diskussion kommen wird und verweist auf einen möglicherweise richtungsweisenden Entscheid aus Deutschland: „Das deutsche Bundeskriminalamt geht, was die Kriminalität anbelangt, durch die Freigabe von Schalldämpfern von keiner erhöhten Gefahrenlage aus.“

Wesentlicher Knackpunkt der Diskussion in Österreich ist der Verwaltungsgerichtshof, der bis dato wesentliche Argumente nicht anerkennt. Zum Beispiel, dass die von Unwissenden geforderte Warnfunktion durch den Schussknall auch bei Schalldämpfern aufrecht bleibt.

Der Hauptverursacher für die Lautstärke des Knalls ist nämlich das Geschoss, das mit Überschall durch die Luft fliegt. Deutlich reduziert durch den Schalldämpfer wird hingegen der Schalldruck und die für Mensch und Tier schädigende Schallenergie beim Mündungsknall. Für Raoul Wagner ist es nur eine Frage der Zeit bis diese unwiderlegbaren Fakten anerkannt werden.

Spätestens seit Dezember wird an vielen Jäger-Stammtischen erneut und intensiv darüber diskutiert, was weidgerecht ist. Und, ob das Gehör einer einfachen Jägerin, eines einfachen Jägers, weniger schützenswert ist als jenes eines Berufsjägers – von den Jagdhunden ganz zu schweigen.

 

WEITERLESEN:
Weidgerechtigkeit
Einsatz von Schallwandler
Schalldämpfereinsatz – Die JägerIn

 

Fotocredit: 
„Schalldämpfer“ (c) Peter Rigaud
„Kampfflugzeug“ Pixabay